Ostermontag



Gedanken zum Ostermontag 2020 in Zeiten der Corona-Krise

Evangelium Lukas 24,13-35  – Emmaus Geschichte –

Mitgehen und bleiben

Wo der Ort Emmaus des Evangeliums genau liegt, weiß man bis heute nicht mehr so genau. Für unser Evangelium ist das auch nicht wichtig. Es will ja Glaubensgeschichte erzählen und nicht Erdkundeunterricht geben. Der Weg nach Emmaus ist hier der Weg, auf dem Menschen zum Glauben an den auferstandenen Christus kommen.

Die beiden Jünger, die auf dem Weg sind, verlassen den Ort Jerusalem, wo sie in den letzten Tagen furchtbare Dinge erlebt haben. Der Jesus, auf den sie alle Hoffnung gesetzt hatten, war schändlich am Kreuz gestorben. Jetzt laufen sie Todtraurig von Jerusalem weg. Sie wissen nicht, wie es in ihrem Leben weitergehen soll. Und da kommt nun auf dem Weg dieser Fremde zu ihnen, der ahnungslos zu sein scheint. Aber er bringt die beiden wenigstens zum Reden. Es ist gut, so einen Menschen auf dem Weg bei sich zu haben.

Auch für uns erscheint es zurzeit so zu sein, dass unser Leben zum Davonlaufen ist. Wir sind weitgehend gefangene in unserer kleinen Welt der Wohnung. Und doch haben wir einen, der mit uns in dieser Zeit ist und den Weg mit uns geht.

Die beiden Jünger erreichen im Erzählen und Erklären ihr Ziel, den Ort Emmaus. Der Fremde tut, als wollte er weitergehen. Aber sie bitten ihn zu bleiben. Lass uns nicht allein, es wird schon dunkel. Sie fürchten, dass in der Dunkelheit die Ängste wiederkommen. Sie wollen nicht schon wieder verlieren, was gerade erst hoffnungsvoll begann. Er nimmt ihr Angebot an. Und jetzt endlich gehen ihnen die Augen auf: Sie erkennen Jesus im Segnen und Brechen des Brotes. Tut er das auf besondere Weise? Oder ist es eher so: Nachdem sich der Bann gelöst hat, können  ihre Augen wieder klarsehen. Jetzt wissen sie auch, warum ihnen das Herz brannte. Ausgerechnet da verlässt er sie ganz plötzlich, im Augenblick der Erkenntnis.

Bricht nun alles wieder zusammen? Nein, die beiden sind wie umgewandelt, nicht länger einsam, trauernd und verängstigt. Sie sind gläubig geworden. Sie kreisen nicht mehr um die Vergangenheit, sie sind offen für Gegenwart und Zukunft. Ohne zu zögern, brechen sie auf, zurück an den Ausgangspunkt Jerusalem. Am Ende steht der Neuanfang. Die Begegnung mit dem Auferstandenen sind Wege zum Leben. Aber es sind nicht Wege unerschütterlicher Gewissheit. Es sind Wege, auf denen der mitgeht, der zunächst wie ein Fremder ist, der aber Verständnis und Geduld aufbringt und unser Herz berührt. Und das weckt in uns das Verlangen: Herr, bleibe bei uns. Und dieses Bleiben wird zur großen Offenbarung.

Ich denke, wir sollten immer beides im Auge und im Gedächtnis behalten. Unser Leben und Glauben sind wie ein Weg. Unser Leben kann nur gelingen, wenn es auch das Bleiben gibt. Das Bleiben bei dem Menschen, der sich ohne mich auf dem Weg verloren vorkäme. Gerade jetzt in diesen Tagen wo die ganze Welt durch einen Virus sich grundlegend verändern wird. „Herr, bleibe bei uns“, damit wir bleiben können, in Treue und Liebe, trotz der Schwere dieser Tage.